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Natalie Rottka – starb mit 53 Jahren am 29. August 2019.

Sie kam 2001 zur Linken Charlottenburg-Wilmersdorf und sie kam genau im richtigen Moment.

 

Die Große Koalition hatte Berlin in eine tiefe Krise geführt. Filz und Korruption wucherten und infolge des größten Bankenskandals der Berliner Geschichte brach das politische System zusammen...

Für Natalie!

Natalie Rottka – starb mit 53 Jahren am 29. August 2019.

Sie kam 2001 zur Linken Charlottenburg-Wilmersdorf und sie kam genau im richtigen Moment.

Die Große Koalition hatte Berlin in eine tiefe Krise geführt. Filz und Korruption wucherten und infolge des größten Bankenskandals der Berliner Geschichte brach das politische System zusammen. Die Berliner Landesbank war mit über 70 Mrd. DM verschuldet, eine Dimension, die bis heute den Berliner Landeshaushalt belastet. Berlinweit wurden Unterschriften für Neuwahlen gesammelt auch von Natalie, die sammelnd durch „ihren“ Kiez um den Savigny-Platz zog. Das Referendum war erfolgreich und führte zu Neuwahlen und so zur Möglichkeit der Linken – damals noch PDS –  sich als Alternative zum Berliner Filz und bisherigen Regierungskurs zu präsentieren. Genau dafür stand Natalie - ausgestattet mit den Erfahrungen aus früheren Wahlkämpfen im Team von Lothar Bisky.

Unvergessen bleibt die Veranstaltungsreihe mit Gregor Gysi, Thomas Flierl und Robert Havemann, mit Regine Hildebrandt und Petra Pau im legendären Wilmersdorfer Jazz-Keller FLÖZ und die plakatierende „Weiberbande“ vom Savigny-Platz im Wahlkampf 2001. Dazu unzählige Info-Stände, Podiumsdiskussionen und nicht zu vergessen – die Bezirksbühne – die kleine, aber qualitativ hochkarätige Info-Zeitung des Bezirksverbandes. Linke Politik muss nicht nur argumentativ gut sein, sondern auch professionell gut gemacht. Qualität verlangte Natalie von sich und von anderen. Das war manchmal anstrengend, manchmal nervend, aber es war gut so. Natalie war mehrfach Direktkandidatin in Charlottenburg-Wilmersdorf – sie stand für die LINKE – und wichtig war ihr ein demokratischer und kulturvoller Sozialismus. Das war so nicht immer der Fall in der Linken selbst.

An Natalie konnte man sich reiben, sie vertrat ihre Position ohne Neigung zum Dogmatismus. Sie zog sich zurück, wenn es nicht mehr um Sachargumente ging, wenn Dummheit und Machtspiele das Politische dominierten. Sie war eine linke Intellektuelle, die eingreifen und mehr noch verändern wollte. Sie engagierte sich dafür in der Tagespolitik und in ihren perspektivischen Beiträgen. Sie leistete dies als Mitglied der Bezirksvorstandes Charlottenburg-Wilmersdorf und des Landesvorstandes Berlin. Seit 2013 als Referentin für linke Politik im Bundestag – zuletzt als Referentin für Sport.

 Aber es gab nicht nur die Politik in ihrem Leben. Natalie liebte das Leben in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen. Sie liebte Charlottenburg und lebte gern hier nahe dem Schlosspark den kleinen und größeren Festen wie die Féte de la Musique. Sie liebte Spanien – die Sprache, Kultur und mehr noch die Menschen. Sie reiste gern – auch nach Griechenland. Sie liebte Berlin-Krimis, vor allem der 1920er Jahre. 
 Sie – die Kämpferin – kämpfte oft auch mit sich selbst. Natalie war Mahnerin, Kämpferin und Freundin, offen für neue Ideen und Bewegungen mit kritischem Blick auf die kulturelle Veränderung unserer Gesellschaft.

Sie war achtsam. Vielleicht hätten wir achtsamer sein sollen. Vielleicht sehen wir schon wieder viel zu sehr auf die großen Entwicklungen während uns der Einzelne aus dem Blick gerät…
 
Mach’s gut oder doch besser
Salud, camarada Natalie!
Mit freundlichen Grüßen
Cornelia Hildebrandt, Volker Fischer und Marcus Nolten