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Gedenken an Karl-Heinz Reimann

Das Urgesteinen der Charlottenburg-Wilmersdorfer Linken ist mit 82 Jahren gestorben

„Man muss menschlich handeln,
um menschlich behandelt zu werden.“

Karl-Heinz Reimann 

Unser Genosse Karl-Heinz Reimann ist am 8. März mit 82 Jahren gestorben.

Er gehört zu den Urgesteinen der Charlottenburg-Wilmersdorfer Linken und war von Anfang an dabei, nach dem Scheitern des Staatssozialismus eine neue Linke aufzubauen, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

Als ich Ende 1997 nach Charlottenburg kam, bestand die damalige PDS aus 6 Personen, drei Männern und drei Frauen. Der Sprecherrat bestand aus drei Personen: Karl-Heinz Vorsitzender, Erich Wierowski Stellvertreter und einem Kassierer. Die anderen notwendigen Funktionen wurden untereinander aufgeteilt. Dieses kleine Grüppchen war der Rest einer zuvor aktiven PDS-Gruppe, die sich zunächst zerstritten, gespalten und letztlich nahezu aufgelöst hatte. Ein Teil von ihnen wurde später über die WASG wieder politisch aktiviert. Aber Karl-Heinz blieb und machte sich den Wiederaufbau der Linken zur Lebensaufgabe, zu der der Aufbau der eigenen Organisation ebenso gehörte wie ihre gesellschaftliche Verankerung. Dazu gehörte 1998 die Vorbereitung der Europawahlen und mehr noch die Vorbereitung der Berliner Wahlen 1999. Karl-Heinz stand zu diesen wie auch zu den folgenden Wahlen als Direktkandidat oder als Kandidat für die BVV Liste zunächst der PDS, dann der Linken zur Verfügung und organisierte mit einer nur langsam wachsenden PDS die Wahlkämpfe.  Ich weiß nicht an wie vielen Wahlkampfaktionen er am Karl-August-Platz selbst beteiligt war. Er war keiner der sich versteckte – auch nicht hinter Wahlkampfständen – er ging zu einer Zeit auf Leute zu, als sie Linke immer wieder in den Osten abschieben wollte und als unbelehrbare Kommunisten oder Stalinisten beschimpft wurden.

Dann war er neben Jürgen Hornig einer unserer ersten parlamentarisch vertretenen Bezirksverordneten. Klar, dass er sich auch im Bezirksparlament vor allem für die Bedürfnisse der älteren Generationen hier im Bezirk einsetzte und für die Entwicklung von sozialen Institutionen für Ältere, zu denen alle Zugang haben – unabhängig vom sozialen Status. Mehr als 15 Jahre war er Vorsitzender Kreisverbandes des VDK Charlottenburg-Wilmersdorf, eines der größten Sozialverbände Deutschlands mit über 1,75 Millionen Mitgliedern. Insbesondere für diese mehr als 15jährige ehrenamtliche Tätigkeit wurde er vom Bezirksamt ausgezeichnet. Er war so lange er konnte im bezirklichen Widerspruchsbeirat für Soziales und im Arbeitskreis "Neue Wohnformen im Alter" aktiv. Außerdem hat er viele Jahre ehrenamtlich mit seiner Frau Uschi eine demenzkranke Seniorin betreut. Achtzehn Jahre war er für die Finanzen in einem Kleingartenverein zuständig.

Für Karl-Heinz waren die großen Fragen wichtig, ohne die kleinen zu vergessen. Wichtig war ihm die Friedensbewegung – gerade in einer solchen Stadt wie Berlin.

Ihm waren die großen und die kleinen Fragen wichtig.

Es gehörte zu seinem Leben, sich dort einzubringen, wo er gebraucht wurde. Bereits in den 1970er Jahren war er Mitglied in einem Elternbeirat und stellvertretender Vorsitzender einer Betriebsgewerkschaftsleitung bei der Deutschen Reichsbahn in West-Berlin. Er war über 50 Jahre parteipolitisch aktiv – in der SEW,  später in der PDS und später in der LINKEN.

Er stand, worüber die Linken oft reden – für gesellschaftliche Verankerung. Er war ein Perspektiven verbindender politischer Aktivist. Er wird am 29. März 2017 beerdigt. Wir danken ihm für seine engagierte Art zu kämpfen, zu arbeiten, zu leben.

Cornelia Hildebrandt (frühere, langjährige Bezirksvorsitzende)

Bezirksvorstand der LINKEN Charlottenburg-Wilmersdorf

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