Teilnahme an der Otto-Grüneberg-Ehrung

Charlottenburg-Wilmersdorf

anlässlich des 93. Todestages

Gemeinsam und solidarisch gegen den alten und neuen Faschismus, gegen Krieg und gegen das Wirtschaftssystem des Elends.

Vor fast 100 Jahren, am 1. Februar 1931, wurde der 22-Jährige Otto Grüneberg, auf dem nächtlichen Heimweg von einer Filmveranstaltung der Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) von Nazi-Faschisten kurz vor seiner Wohnung erschossen. Er starb in dieser Gaststätte, die damals einen anderen Namen hatte.

Bei freundlich-kaltem Wetter fanden sich am Sonntag, 4. Februar, mehr als 80 Menschen zur diesjährigen Otto-Grüneberg-Ehrung vor der Gaststätte „Kastanie" ein. Nach einem Lied aus der Frauenbewegung „Unter dem Pflaster liegt der Strand" von Angy Domday, vorgetragen von Isabel Neuenfeld, bei dem sie sich selbst auf dem Akkordeon begleitete, sprach der ehemalige Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD, MdA). Die offengelegten Pläne der AfD, große Teile der Bevölkerung, die nicht bio-deutschen Ursprungs sind, abzuschieben, war Thema. Zum Ende seiner Rede forderte Naumann, dass sich alle dafür einsetzen sollen, dass ein angstfreies Leben für Jüdinnen und Juden in Deutschland möglich und selbstverständlich sein muss.

Danach sprach Lina für die Feministisch-antifaschistische Jugendorganisation Charlottenburg. Sie übte deutliche Kritik an den neuen Abschiebeplänen der Bundesregierung gegenüber Asylbewerber*innen und dem Wunsch der Regierung, künftig an den Außengrenzen der EU Asylanträge zu bearbeiten und nur anerkannte Asylbewerber*innen auf das Gebiet der EU zu lassen. Dies sei im Prinzip nicht so weit entfernt von der momentanen offiziellen Position der AfD.

Auch der Vertreter der Grünen, Christoph Wapler, Mitglied im Abgeordnetenhaus, betonte, dass es jetzt gelte, einig zusammenzustehen. Nach einem weiteren Lied von Isabel „Bella Ciao", das viele Anwesende mitsangen, sprach die Vertreterin der SDAJ, Olivia und versuchte, für den gemeinsamen antifaschistischen Kampf und auch für das Endziel des Kommunismus zu begeistern.

Zum Abschluss sprach für den Bezirksverband der Linken Volker Fischer.
Er stellte den Mord an Otto Grüneberg 1931 in den historischen Zusammenhang von Wirtschaftskrise und aufkommendem Nazi-Faschismus und den Kampf der Arbeiterbewegung um das nackte materielle Überleben. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Jungkommunistin Olga Benario, die in einem jetzt erst veröffentlichten Bericht (Berliner Kommunistische Jugend, Verbrecher-Verlag, 2024) das politische Leben im damaligen Berlin beschrieb. Auch verwies Volker auf den Roman „Unsere Straße" von Jan Petersen (Pseudonym), der als erster antifaschistischer Bericht den Kampf der arbeitenden Bevölkerung in der Charlottenburger Wallstraße (heute: Zillestraße) zusammen mit der von Richard Hüttig geleiteten Häuserschutzstaffel gegen die nahezu täglichen Übergriffe der Nazi-Banditen beschreibt. Hüttig (KPD) wurde 1934 unter fadenscheinigen Gründen (sog. „von-der-Ahe-Prozess") bereits unter dem Nazi-Faschismus zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das Buch gibt es seit kurzem in einer Neuauflage bei der Landeszentrale für politische Bildung im alten Amerika-Haus am Bahnhof Zoo, neben der Galerie C/O, Hardenbergstraße.

Die Basisorganisation „Unsere Straße" hat zu ihrem Treffen am Montag, 12.2.24, um 19 Uhr in der Behaimstraße 17 den Kulturwissenschaftler und VVN-Mitglied Stefan Knobloch eingeladen, der ausführlich über diesen Prozess und dessen politische Folgen berichten wird. Volker Fischer forderte, die AfD mit heißem Herzen und kalter Vernunft zu bekämpfen. Es bedürfe einer veränderten Politik, um die AfD zu schwächen. Der Schlüssel dazu liege allerdings in der Haushalts- nicht in der Migrationspolitik. Die Schuldenbremse lähme den Staat, es sei aber notwendig in den Sozial- und Bildungsbereichen der Gesellschaft massiv zu investieren.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass alle Rednerinnen und Redner sehr deutlich forderten, gemeinsam gegen die stärker werdende AfD vorzugehen. Aus Sicht der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) war dem Kiezbüro und besonders Klaus Betz herzlich dafür zu danken, dass er diese wichtige Veranstaltung in den letzten zehn Jahren organisiert hat.

Die VVN-VdA e.V. als Westberliner Teil des Landesverbandes Berlin der VVN-BdA hat es übernommen, auch unter Hinzuziehung freiwilliger Hilfe aus anderen beteiligten Organisationen, diese Ehrung in den nächsten Jahren weiterhin zuverlässig zu organisieren.

Rüdiger Deißler